Lernexpedition (LEX)

Wenn Schülerïnnen sich auf eine Lernreise begeben

Während der einwöchigen Lernexpedition haben die Schülerïnnen die Chance über Lerninhalte, die Art und Weise ihres Lernens und den Lernort frei zu bestimmen – auch über die Unterstützung, die sie benötigen, entscheiden sie selbst. In der Lernexpedition passt sich das Lernen den Schülerïnnen und nicht die Schülerïnnen dem Lernen an. Gecoacht von ihren Lehrerïnnen finden die Schülerïnnen im Vorfeld ein Thema, in das sie eintauchen möchten. Die einen widmen sich der Entdeckung und Entwicklung eigener Begabungen und Interessen, andere der Studien- und Berufsorientierung oder auch der Vertiefung schulischen Wissens und Könnens. Die Themen sind so individuell wie die Schülerïnnen selbst. So entscheidet sich eine Schülerin dazu einen Richter bei der Arbeit zu begleiten, um sich der Frage “Ist Recht gerecht?” zu nähern, ein anderer Schüler erkundet die Berliner Museen und erstellt einen Museumsführer für Jugendliche, ein weiteres Schülerteam nutzt die Lernexpedition um sich mit unterschiedlichen Programmiersprachen auseinanderzusetzen. Die Erfahrung zeigt: je ambitionierter das Thema desto höher die Möglichkeit des Scheiterns. Diese Fehlerkultur wird bewusst gelebt und bietet die Chance, dass die Schülerïnnen angstfrei an sich selbst wachsen, ihr Zeit- und Selbstmanagement kennenlernen und sich im Lernen besser wahrnehmen.

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In der Lernexpedition dürfen Schülerïnnen machen was sie wollen!

Freude am Lernen

Die Lernexpedition ist für Lehrerïnnen so besonders, weil:

  • Lehrerïnnen die Schülerïnnen bei der Themenfindung coachen und beraten.
  • Lehrerïnnen die Schülerïnnen bei der Fokussierung und Wochenplanung unterstützen.
  • Lehrerïnnen mit den Schülerïnnen Möglichkeiten der Prozess- und Ergebnisdokumentation erarbeiten.
  • Lehrerïnnen die Schülerïnnen auf den Umgang mit Krisen und möglichem Scheitern vorbereiten
  • Lehrerïnnen auf den Prozess vertrauen und die Schülerïnnen die Flügel ausbreiten lassen.
  • Lehrerïnnen mit den Schülerïnnen die Erfahrungen und Erkenntnisse der Woche reflektieren.
In der Lernexpedition

  • stehen die Interessen, Leidenschaften und Bedürfnisse der Schülerïnnen im Mittelpunkt.
  • entscheiden Schülerïnnen frei, was sie erlernen und vertiefen möchten.
  • planen Schülerïnnen eigenverantwortlich, wie und wo sie arbeiten.
  • strukturieren Schülerïnnen selbstorganisiert ihre Tagesabläufe.
  • verlassen Schülerïnnen ihre Komfortzone und lernen ganz nebenbei viel mehr als gedacht.
  • dokumentieren Schülerïnnen für sich sinnstiftend, was sie als relevant erachten.
  • reflektieren Schülerïnnen rückblickend mit den Peers ihre Erfahrungen und Erkenntnisse.


„LEX und Pulsar sind geniale Erfindungen! Mehr davon!“

Schüler der Evangelischen Schule Berlin Zentrum

„LEX war Klasse! Danke. Könnte auch zwei Wochen gehen.“

Schülerin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum

„ ... man kann einfach das lernen, was man will, was man schon immer mal wollte und vor allem, ich hab meine Chance jetzt auch einfach so genutzt.“

Schülerin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum

„Die LEX ist sehr wertvoll, sie sollte auf jeden Fall erhalten bleiben.“

Schüler der Evangelischen Schule Berlin Zentrum

Findung, Planung und Durchführung

Alle gut informiert ins Boot holen

Es hat sich bewährt, regelmäßig zu Beginn des Schuljahres alle Schülerïnnen und Kollegïnnen nochmals explizit über die Termine sowie die wesentlichen Merkmale der Lernexpedition zu informieren, auch wenn scheinbar alles bekannt sein mag. Das steigert die Qualität und unterstützt Schülerïnnen wie Lehrerïnnen, den Prozess bestmöglich zu gestalten.

Dabei ist es besonders hilfreich, wenn:

  • erfahrene Schülerïnnen und Lehrerïnnen die Neulinge informieren und Erfahrungen teilen.
  • Lehrerïnnen und Schülerïnnen den unerfahrenen Schülerïnnen inspirierende Beispiele für mögliche Themen an die Hand geben.
  • Lehrerïnnen und Schülerïnnen Bewerbungen vorangegangener Lernexpeditionen zeigen.
  • Lehrerïnnen und Schülerïnnen gemeinsam eintauchen in die Herausforderung, aus einer ersten Idee eine anspruchsvolle Lernexpedition zu gestalten.

Die LEX-Phasen

Eine der großen Herausforderungen für die Schülerïnnen in der Lernexpedition ist die vorausschauende Planung einer Woche, in der sie auf sich gestellt sind. Ein hilfreicher Baustein dafür ist das Gestalten einer Bewerbung, in der die Schülerïnnen ihr Vorhaben darstellen und überzeugend für ihre Idee einstehen.

Das Format der Bewerbung kann dabei sehr vielfältig sein. Nicht alle können sich in der klassischen schriftlichen Bewerbung bestmöglich zum Ausdruck bringen, weshalb die Schülerïnnen selbst entscheiden sollten, wie sie sich bewerben möchten.

Die Schülerïnnen können z.B.
  • ein Visual Summary gestalten
  • ein Video drehen
  • ein Modell bauen
  • einen Text schreiben
  • eine Audio-Datei aufnehmen
  • oder mit einer eigenständigen Bewerbung überzeugen
Welches Format sie auch wählen, in der Bewerbung beantworten Schülerïnnen auf jeden Fall folgende Fragen:

  • Was möchte ich während meiner Lernexpedition erlernen?
  • Warum möchte ich das erlernen?
  • Wie arbeite ich an meinem Thema?
  • Mit wem bzw. von wem lerne ich in dieser Woche?
  • Wie gestalte und rhythmisiere ich meine Tage?
  • Welche konkreten Ziele möchte ich erreichen?
  • Wie zeige ich, was ich alles in der Woche gelernt habe?
Eine Hilfestellung für die Schülerïnnen für die Bewerbung ist der Beipackzettel »

Ihr seid neugierig, wie Bewerbungen aussehen können? Hier könnt ihr in zwei unterschiedliche Bewerbungen reinschnuppern.
Bewerbung 1 »
Bewerbung 2 »
Eine Möglichkeit, die Bewerbungen auszuwerten, ist das Ampelverfahren.
Auf Anhieb überzeugende Bewerbungen erhalten “grün”, Bewerbungen mit Nachbesserungsbedarf erhalten “orange” und gehen in eine Überarbeitungsrunde, äußerst unzulängliche Bewerbungen erhalten “rot” und die Schülerïnnen müssen auf die nächste Lernexpeditionswoche warten.

Alle Schülerïnnen sollen auf Lernexpedition gehen? Dann meldet nur “grün” oder “orange” zurück und verpflichtet alle Schülerïnnen zur Teilnahme. Die Vor- und Nachteile einer verpflichtenden Lernexpedition sind vielfältig. Die Neue Oberstufe berät dazu gerne individuell.
Das Feedback an die Schülerïnnen kann auf unterschiedliche Weise erfolgen.

Die Lehrerïnnen können z.B.
  • ein schriftliches Feedback verfassen
  • persönliche Feedback-Gespräche führen
  • einen einheitlichen Rückmeldebogen erstellen und diesen ausfüllen

Wir empfehlen, dass ein/e Lehrerïn nicht mehr als 15 Schülerïnnen betreut. Alle Lehrerïnnen sollten das gleiche Feedback-Verfahren wählen. Das empfinden die Schülerïnnen als transparenter und fairer. Außerdem ermöglicht es den Lehrerïnnen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu beraten. Es ist nicht immer einfach zu entscheiden, ob eine Bewerbung schon “grün” ist, sich die Schülerïnnen mit ihrem Thema bestmöglich herausfordern und sich ausreichend auf ihre Lernexpedition vorbereitet haben. In diesem sehr persönlichen Prozess für Schülerïnnen ist und bleibt dies eine Gratwanderung, die Lehrerïnnen feinfühlig mitgehen.

Rückmeldebogen »
Vorbereitendes Training
In der Woche vor der Lernexpedition empfehlen wir ein Auftakttreffen der betreuenden Lehrerïnnen mit ihren Schülerïnnen in der Kleingruppe. Die Betreuerïnnen kennen die Bewerbungen ihrer Schülerïnnen am Besten und entscheiden, was sie mit ihnen machen.

In dem Auftakttreffen geht es um
  • den letzten Feinschliff in der Planung
  • die Erarbeitung eines detaillierten Wochenplans
  • letzte Terminkoordinationen
  • die Frage, wie jede/r Schülerïn die Woche für sich und die Gemeinschaft dokumentiert
  • individuelle Tipps und Tricks
  • und vieles mehr.
Sicher ist, dass nicht alle Schülerïnnen das gleiche brauchen und eine Angebotsvielfalt gefragt ist.

Ideen zur Gestaltung des Auftakttreffens:
» Beispiel Training 1
» Beispiel Training 2

Spielerische Annäherung an eine Dokumentation zur Lernexpedition
» Erntespiel
Die Schülerïnnen gehen ihren Lernweg in der Lernexpedition eigenständig. Sie erobern sich ihr Thema Tag für Tag aufs Neue und die Lehrerïnnen sind in den meisten Fällen nicht mehr involviert. Sie dürfen sich zurücklehnen, loslassen und sich auf die Reflexion freuen.
Damit sich die Schülerïnnen in der Woche auch in schwierigen Phasen sicher fühlen, benötigen sie

  • eine Kontaktnummer für Notfälle und Dringlichkeiten
  • eine Kontaktmöglichkeit (Mail, Telefon, Sprechstunde) für ein Coaching, eine Beratung, ein Feedback zwischendurch.
Die Reflexion ist für alle Beteiligten ein toller und sehr oft bewegender Abschluss der Lernexpedition. Die Schülerïnnen teilen ihre Erlebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungsberichte, die vielfach sehr berühren. Leuchtende Augen erzählen von Erfolgen und Highlights; aufgeregte Gemüter von Tiefpunkten, Abbrüchen und zweiten Anläufen.
Auch Schülerïnnen, die diese Woche nicht gut für sich nutzen konnten, profitieren von der Reflexion mit ihren Peers. Plötzlich gehen sie Fragen wie “Warum habe ich ab der Hälfte der Woche nicht mehr wirklich gearbeitet?” oder ”Woran bin ich gescheitert?” nach. Weite Lernfelder öffnen sich.

Gestaltung einer Reflexion - Beispielablauf und Methoden hier:
» Material_LEX_ReflexionAblauf&Methoden
» Material_LEX_Reflexion_MethodeCircle
» Reflexions Bingo
Worauf es sich besonders lohnt, zu achten:

  • Je klarer und verbindlicher der Bewerbungsprozess ist, desto transparenter empfinden die Schülerïnnen das Ampelverfahren. Dazu zählt das Einhalten von Formalia ebenso wie das Einhalten von Abgabe- und Überarbeitungsfristen. Die Konsequenz führt zwar manchmal zu Frust, zahlt sich aber in der Qualität jeder Lernexpedition aus.
  • Die Eltern werden rechtzeitig über die bevorstehende Lernexpedition informiert. Auch für sie ist es eine Gratwanderung aus “ins Gelingen einmischen” und Loslassen. Die Eltern sollen nicht zu den Ersatzlehrerïnnen der Woche werden.
  • Jede Schule wägt nach ihrem Ermessen ab, ob die Lernexpedition für alle Schülerïnnen verbindlich ist oder nicht. Wir haben darüber oft und auch hitzig debattiert, und finden keine eindeutige Antwort. Beides hat Vor- und Nachteile.

Pulsar

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